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Searle’s «Chinese Room» grafisch animiert

Willkommen auf dem Blog rund um das oft diskutierte Gedankenexperiment von John Searle. Es ist der praktische Teil meiner Diplomarbeit an der Zürcher Hochschule der Künste in der Vertiefung Cast / Audiovisual Media
Im Blog stelle ich Einerseits die Argumente und die Einwände zum Gedankenexperiment vor. Input, Kritik, weitere Fragen und Feedback hier immer gerne.
Die weiterführenden Links handeln von den zentralen Streitpunkten rund ums menschliche Denken und geben einen kleinen Einblick in verschiedene wissenschaftliche Thesen dazu. Auch auf Twitter versuche ich über weitere Informationen und Diskussionen zu berichten.

Panel 1

Kontext

Kontext und Entstehungszeit

Das «Chinese Room» Gedankenexperiment von John Searle war das stärkste und am meisten diskutierte Argument der Geistesphilosophie. Es sollte alle hier folgenden Thesen zum Computermodell des Geistes entkräften.

Die Computerprogramme des Symbolismus waren darauf angelegt so zu funktionieren, wie die These der inneren Repräsentation der mentalen Prozesse. Ihre physikalische Realisierung ist der Symbolverarbeitungsprozess in Computern. Dies zeigt auch die Hypothese dieser Ideologien, dass symbolische Berechnung oder eine rationale quasi sprachliche Symbolmanipulation Intelligenz, menschlich oder nicht, realisiert. Dies stiess aber schnell auf Grenzen wenn es um die Bedeutung von Symbolatomen in komplexeren Zusammengesetzen Repräsentationen ging.

In den darauffolgenden konnektionistischen Ansätzen wurde mehr auf die reale Biologie des Gehirns eingegangen. Wie in den Netzwerken der neuronalen Netze des Gehirns wurde angenommen, dass gleichzeitig  Prozesse von mehreren Instanzen durchgeführt werden und so im Zusammenspiel Intelligenz entsteht. Diese Netzwerke brauchten dann auch nicht Programmcodes mit syntaktischen Schritt für Schritt Anleitungen sondern zugrunde liegende Lernalgorithmen, welche mit Beispielen trainiert werden können. Mittels hinterlegten mathematischen Modellen erstellen sie Zusammenhänge oder erkennen Muster und können somit auch weitere statistische Prognosen errechnen.

Auch situated movement orientiert sich an biologischen Modellen, vor allem dynamisch mathematische Modelle zwischen Verstand, Körper und der Umgebung. Natürliche Intelligenz soll auch Interaktion mit und Beeinflussung der Umgebung durch das denkende System miteinbeziehen. Die Zeit, der Körper und die Umgebung sind wichtig für die Wahrnehmung und das Verhalten. Intelligenz ist nicht nur zentral in einem Organismus lokalisiert, es ist die Interaktion zahlreicher einfacher Einheiten in der konkreten Umwelt. Auch setzt diese Gruppierung auf eine gewisse Hierarchie zwischen niedrigeren kognitiven Fähigkeiten und deren Sensor-Organen und höhergestellten mentalen Phänomenen. Gewisse Vertreter bestreiten auch die These der inneren Repräsentationen. Diese würden, speziell bei der Übersetzung in die Welt der Robotik, intensiven Speicherverbrauch mit sich bringen oder könnten zusätzlich zu dem nicht differenziert genug sein. 

Während also die oben genannten computerwissenschaftlichen Strömungen mentale Phänomene oder auch das Gehirn mittels nichtbiologischen Materialien und abstrakten Programmen zu simulieren versuchten, ist die Kognitionswissenschaft damit beschäftigt zu erforschen inwiefern das menschliche Gehirn ein Computer mit implementiertem Programm ist. Sie möchte die wesentlichen Berechnungen bzw. Programme die mentale Phänomene wie Wahrnehmung, Verstehen usw. hervorbringen, aufdecken und spezifizieren. Diese beiden Wissenschaften sind in ihrer Forschung also komplementär aber haben trotzdem gemeinsame Grundlagen wie Informationsverarbeitung und der allfälligen Berechnung der Abläufe. (Dresler, 2009, S. 40-47)

Panel 2

Kernargumente

Mit folgenden zwei Hauptargumenten versuchte John Searle die Unmöglichkeit von einem computererzeugten Bewusstsein verdeutlichen.

Die Unterscheidung zwischen Syntax und Semantik

Searle empfindet, dass die formal definierten Computerprogramme nicht ausreichend sind, um Bedeutung oder gar Intention herbeizuführen, als das Kernargument des «Chinese Room» Gedankenexperiment. Diese Attribute können nur dem menschliche Geist zugesprochen werden. Syntax sei aber nicht das gleiche wie Semantik, noch liesse sich Semantik auf syntaktische Anweisungen zurückführen. (Dresler, 2009, S. 56)

Die Antwort der Gegner

Ein Teil der Kritiker akzeptiert, dass Programme syntaktisch aufgebaut sind, die Implementation der Programme aber nicht unbedingt. Sie argumentieren, dass sobald durch die Implementierung eine Wirkung erzielt werde, greife dies in den Bereich der Semantik über. Eine weitere Argumentation behauptet, dass auch Syntax nicht ausreichend für Computerprogramme als Computerprogramme sind. Es ist für Programmbefehle wesentlich, dass sie spezifizieren, welche Veränderungen der physikalischen Zustände der implementierenden Maschinen sie bewirken. Dies könne als Bedeutung gewertet werden. (Dresler, 2009, S. 88-89)
Auch die gerne von Searle als Garantie von vorhandenem Bewusstsein argumentierte Neurobiologie des Gehirns wird hier von Kritikern gegen ihn verwendet. Laut John Searle ist dort der Ursprung für das mentale Phänomen der Semantik. Aber wenn man es genauer betrachte, seien auch die neuronalen Prozesse keine Erklärung für das Bewusstsein, jedenfalls nicht mehr als komputationale Prozesse. Wie Bedeutung und Verstehen aus Molekülen und Zellen entstehen können sei nicht weniger mysteriös, als wie dieselben aus Programmcodierungen entstehen könnten. (Dresler, 2009, S. 92-93)

Der Unterschied zwischen Simulation und Duplikation

Searles grösster Kritikpunkt ist die von ihm so benannte «strong AI», welche einem kompletten Duplikat des menschlichen Bewusstseins gleichkäme. Die Simulation der menschlichen Geisteszustände und Wahrnehmung halte er sowohl für möglich als auch für hilfreich. Aber auch die beste Computersimulation könne aus eigener Kraft keine der Seinslehre entsprechenden realen Phänomene erschaffen. Als Beispiel nennt er, dass z.B. eine Simulation eines Verdauungstraktes trotzdem kein Essen verdauen könnte. (Dresler, 2009, S. 53-54)

Die Antwort der Gegner

Seine Kritiker finden das Beispiel sehr vage, da der Input des zu simulierenden Prozesses nicht computerkompatibel ist. Geistessimulationen und dessen sprachliche Inputs aber sehr wohl kompatibel mit Computern sind. Die Simulation von sprachlichem Verständnis lässt sich also nicht mit dem Beispiel vergleichen. Die Simulation von Informationsverarbeitung durch Computer bleibt Informationsverarbeitung. Wären mentale Eigenschaften also tatsächlich von abstrakter Natur, würde ein mentales System zu simulieren sogar garantieren, eines zu sein. (Dresler, 2009, S. 82-83)